
 
Wo sich die Bankenwelt einkleidet
Das kleine, feine Lädchen in der Glauburgstraße zieht Passanten magisch an. Mit ein Grund ist die originelle Dekoration, die stets die Jahreszeit und ihre aktuellen Themen anzeigt. Jetzt sind es Blätter,
die den Herbst signalisieren. Im Sommer liegen schon mal Muscheln im Schaufenster, Symbole für Sonne und Strand, im Mai und im September wird stets ein Brautfenster gestaltet, weil in diesen
Monaten die meisten Paare «Ja» sagen. Ein Windspiel meldet, wenn eine Kundin den Laden betritt. Denn Schneidermeisterin und
Designerin Silke Scholz ist meist nebenan im Atelier kreativ tätig mit Filzstift, Schere und Nähmaschine.
Den Kopf voller Ideen und natürlich die wichtigen Schneiderpuppen in ihrer Reichweite, wuselt sie durch die Räume. Das gelbe Maßband um ihren Hals ist wichtigstes Utensil, selbst bei Besprechungen hat sie’s dabei. Im Empfangsraum wird beraten, dabei reicht sie Espresso, Cappuccino, Kaffee oder Tee. Gebäck allerdings nicht. «Sonst würde ich ständig naschen», verrät sie. Viele wundert es, dass auf der Espressomaschine, über der ihr Meisterbrief prangt, eine dicke grüne Kerze brennt. «Das ist ein
Symbol der Hoffnung, deshalb muss sie unbedingt grün sein. Streut man manchmal etwas Zimt hinein, hat man angeblich immer Geld. Wichtig dabei ist der Glaube – die Hoffnung stirbt zuletzt.»
Silke
Scholz stammt aus Jena, lebt aber schon 16 Jahre in Frankfurt. Stolz erzählt sie, dass ihre Vorfahren aus dem hohen Norden kommen.
Der Urgroßvater war Schwede, lebte in Stockholm. Eine moderne peppige Kurzhaarfrisur umrahmt ihr Gesicht. Das Haar strahlt in einer Farbmischung aus Gold und Kupfer. Die blaugrünen Augen passen wunderbar dazu – und zur zierlichen Nase.
Silke Scholz absolvierte in Jena eine Schneiderlehre, arbeitete als Damenschneiderin in einem Konzern, als Herrenschneiderin in einer kleinen Firma. 1994 bestand sie in Frankfurt die Meisterprüfung. Sie arbeitete danach in mehreren Betrieben als Schneidermeisterin, unter anderem bei Mey und Edlich, bevor sie sich 1999 selbstständig machte. Über Hans Schwarz, den Pelzdesigner in der Berger Straße, kam sie vor drei Jahren zum Modekreis Frankfurt. «Ich finde die Gemeinschaft sehr schön und die Modeschauen hochinteressant. Natürlich wollte ich auch auf mich und meine Arbeit aufmerksam machen. Einmal im Monat treffen wir uns.
Es ist wichtig, sich untereinander auszutauschen.» Auf dem Modeball wird sie ein blaugrünes Abendkleid aus Taft tragen. Dazu eine Fuchspelzstola oder einen Schal aus Satin oder Chiffon. Grün und Türkis sind ihre Lieblingsfarben. «Sie vermitteln Hoffnung.»
Ihr Kundenstamm ist in Bankenkreisen und der Wirtschaft zu Hause.
Wer neu zu ihr kommt, tut dies meist auf Empfehlung. Sie entwirft Kleidung, die überwiegend zu festlichen Anlässen getragen wird und etwas Besonderes ist, etwas, was man sonst nirgends kaufen kann. Das Durchschnittsalter ihrer Kunden ist Mitte/Ende dreißig und älter: «Ich entwerfe für diese Altersgruppe auch Business-Kleidung mit dem besonderen Pfiff.Gern wagt sie auch mal einen Stilbruch wie etwa Muster zu Muster getragen oder Leder zu Seide und nicht immer Ton
in Ton. Ihr Modetipp für abends: Edle Hose aus Seidensatin in einem braunen Nougat-Ton, dazu je nach Typ ein Top mit Spitze und Applikation in einem Goldton, eine Lederjacke aus Ziegenvelours in Dunkelbraun, eng tailliert mit einem dekorativen Reißverschluss.
Sieht elegant aus. «Das würde ich anziehen, wenn ich abends in einen Club, die Bar oder fein essen gehe», sagt Silke Scholz. Tasche und Schuhe dazu sollten etwas dezent Goldenes haben.
Unterstützt in
ihrer Arbeit wird sie von einer Schneiderin, einem Azubi und einer Praktikantin. Wenn ihr Zeit bleibt, geht sie drei bis vier Mal in der Woche ins Fitness-Studio: «Ich liebe Stepp-Aerobic, für meine klitzekleinen Pölsterchen ist das nicht schlecht.» |